Toni Erdmann

Durch die Beachtung einiger grundlegender poetologischer Prinzipien hätte TONI ERDMANN ein wirklich guter Film werden können. So, wie er jetzt ist, erfordert es – bei allem feinen Humor, den der Film besitzt, bei manch schönem Moment, den er erzeugt, und trotz der betoerend guten Schauspielerleistungen – einiges an gutem Willen, das – aufgrund seiner deutschen Untugenden: berichtende Erzählart und realistische Erzählweise – durchzustehen.

A Million Ways to Die in the West

A Million Ways to Die in the West
USA 2014

Wieder eines dieser in schöner Regelmässigkeit aus Hollywood auftauchenden hinreissenden Zauberstücke, bei dem alles am rechten Platz ist – im Gegensatz zu deutschen Filmen, bei denen am rechten Platz zumeist nichts ist – und vor deren erzählerischer Brillanz man vor Demut auf die Knie sinken möchte.

Who am I – Kein System ist sicher

Who am I – Kein System ist sicher
Deutschland 2014

Ich hab mir den Film angeschaut, weil ich gelesen hatte, es handle sich um einen überragenden Thriller. Nachdem ich ihn gesehen habe, muss ich sagen, dass er weder das eine noch das andere ist. Um überragend zu sein, fehlen ihm – wie bei deutschen Filmen üblich – die zwei entscheidenden Eigenschaften Spannung und Tiefe. Und um Thriller zu sein, bräuchte er das namengebende Element, nämlich Thrill. Das korrekte deutsche Wort dafür ist Angstlust. Sie entsteht dadurch, dass der Zuschauer sich mit einer Bedrohungssituation identifiziert. Um das zu erzeugen, ist der Film erzählerisch jedoch ganz falsch angelegt. Das Zitieren von Thrillervorbildern ergibt noch keinen Thriller! Das deutsche Genrekino kommt bei aller Ambitioniertheit auch in diesem Fall nicht über die eklektische Nachahmung von Äusserlichkeiten hinaus. Der Film verfehlt es auf die vom deutschen Film hinlänglich bekannte Weise, sein Publikum zu führen und er bleibt ohne jede inhaltliche Substanz. Er ist gemessen an internationalen Erzählstandards belanglos. Der Film punktet wie im aktuellen deutschen Film üblich mit der Darstellung einer Welt und mit der Imitation vorgefundener Stile. Er bleibt somit bei der ästhetischen Strategie der Werbung stehen, wo ja auch durch die Erweckung des Anscheins, etwas zu sein, was man nicht ist, versucht wird, den Leuten heisse Luft anzudrehen.