Blau ist eine warme Farbe

BLAU IST EINE WARME FARBE
Frankreich 2012
Palme d’or, Cannes 2013

„Die 15-jährige Schülerin Adèle beginnt ihre Sexualität zu entdecken, während sie im Literaturunterricht Marivaux’ La Vie de Marianne kennenlernt. Ihre Freundinnen bestärken sie, Sex mit dem älteren Mitschüler Thomas zu haben. Für kurze Zeit werden beide ein Paar, Adèle beendet aber die Beziehung. Auch eine kurze Liaison mit einer scheinbar lesbischen Mitschülerin scheitert.
Zwischenzeitlich war Adèle in der Fußgängerzone in der Stadt eine junge, anscheinend lesbische Frau mit blaugefärbten Haaren aufgefallen, zu der sie sich auf den ersten Blick hingezogen fühlte. Die beiden treffen sich zufällig in einer Lesbenbar wieder, flirten miteinander und die junge burschikose Emma, eine Kunststudentin, lässt sich von Adèle den Namen ihrer Schule geben. Tatsächlich holt Emma Adèle auf dem Schulhof ab, was später zum Streit und Zerwürfnis mit einigen homophoben Freundinnen von Adèle führt. Zwischen Adèle und Emma entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Während Emma offen damit gegenüber ihren Eltern umgeht, verschweigt Adèle ihre Beziehung Vater und Mutter und gibt Emma als Nachhilfelehrerin für Philosophie aus.
Beide ziehen später zusammen. Adèle dient Emma als Muse. Gleichzeitig beginnt Adèle eine Ausbildung zur Grundschullehrerin. Sie fühlt sich aber in Emmas kultiviertem Freundeskreis nicht wohl, wo sie nur Anschluss zum Schauspieler Samir findet. Als Emmas Bilder sich nicht verkaufen und sie immer öfter als Grafikerin mit ihrer früheren Lebensgefährtin Lise zusammenarbeitet, fühlt sich Adèle einsam. Sie beginnt eine kurze Affäre mit einem Arbeitskollegen. Emma kommt dahinter und wirft ihre Freundin aus der gemeinsamen Wohnung. Adèle leidet sehr unter der Trennung und versucht die innere Leere mit mehr Arbeit zu kompensieren.
Ca. 3 Jahre später treffen sich beide in einem Restaurant wieder. Obwohl Adèle und Emma noch sehr starke Gefühle füreinander hegen, entschließt sich Emma zu ihrer neuen Lebensgefährtin Lise zurückzukehren, die ein Kind mit in die Beziehung gebracht hat. Einige Zeit später folgt Adèle einer Einladung zu Emmas erster Vernissage. Dort trifft sie Samir wieder, der mittlerweile als Immobilienmakler arbeitet. Betrübt verlässt Adèle die Ausstellung und läuft nach Hause. Samir versucht ihr zu folgen, wählt aber den falschen Weg und läuft in die entgegengesetzte Richtung.“

Dies ist die Darstellung der Handlung auf WIKIPEDIA und mehr gibt es dazu auch kaum zu sagen. In epischer Breite (der Film dauert drei Stunden!) dürfen wir Teil haben an den ersten Erfahrungen einer jungen Frau mit Liebe und Sexualität, an pubertärer Unsicherheit, Neugier, Lust, Leidenschaft, Freude, Qual und Schmerz und all dem verdammten Zeug. Da der Film von Regisseur Abdellatif Kechiche keine Geschichte, sondern nach Art des europäischen Autorenkinos nur vorzeigend – also trivial – erzählt, ist er über weite Strecken langweilig. Als Zuschauer bleibt man stets Beobachter und wird nie zu eigenem Erleben gebracht.

Der Film ist allerdings auffällig durch die akribische psychologische Genauigkeit der Inszenierung und das beeindruckend authentische Spiel der beiden Darstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos. An letzterem dürfte der Regisseur ebenfalls keinen geringen Anteil haben. Wie man jedoch hört, haben sich die beiden Damen dahin gehend erklärt, dass sie mit dem Regisseur nicht mehr zusammenarbeiten würden, da er sie während der Dreharbeiten „terrorisiert“, „wie Prostituierte behandelt“ und sie gezwungen habe, Dinge zu tun, die sie „lieber nicht getan“ hätten. Man muss sagen, das darstellerische Ergebnis gibt eher dem Regisseur recht! Ich persönlich vermute, dass es sich bei dem Streit mit einiger Wahrscheinlichkeit um einen inszenierten PR Coup handelt und wir sehr bald erfahren werden, dass sich Regisseur und Schauspielerinnen zu einer Fortsetzung von LA VIE DE L’ADÈLE, Part 1 & Part 2 (so der  Originaltitel) zusammenfinden werden. Ob ich mir den dann auch wieder anschauen werde, kann ich aber noch nicht versprechen. Es gibt ja schliesslich auch noch andere Dinge, die man tun kann, ausser anderen Leuten beim Leben zuzuschauen.