Ohne Titel

Gestern habe ich einen österreichischen Film gesehen, der sich anfühlte wie ein deutscher. Ich weiss gar nicht, ob es wirklich ein Film war, denn im Grunde hat meistens eine Frau mit monoton-depressiver Stimme im Off gesprochen, während man im Bild sah, was sie erzählte. Einmal wurde ein Reh erschossen, sein Todeskampf war grausam. Später konnte man zusehen, wie Martina Gedeck einer Kuh hilft, ein Kälbchen auf die Welt zu bringen, live sozusagen, und als Ausgleich für das tote Reh. Leben und sterben halt – ewiger Kreislauf… Ich sage nicht, wie der Film hiess, denn ich will ihm nicht schaden. Er hatte, so schien es mir, ein ernstes Anliegen. Im Fernsehen kann man jeden Tag Filme sehen, die in ihrem sinnfreien Gekaspere noch viel deprimierender sind, obwohl sie lustige Titel haben und sich Komödie nennen. Was dieser Film wollte, den ich gestern gesehen habe und dessen Titel ich nicht nenne, obwohl ich ihn weiss, hat sich mir nicht erschlossen. Ich habe gelesen, der Film beruhe auf einem Roman, der aus den sechziger Jahre stamme und ein Welterfolg gewesen sei. Der Roman, stand in der ZEIT, habe als unverfilmbar gegolten, bis ihn nun der österreichische Regisseur doch verfilmt habe. Ja, das hat er. Aber warum nur?! Ist das Verfilmen unverfilmbarer Bücher schon eine Leistung an sich, die gewürdigt werden muss? Wenn das so ist, dann gehört die Krone sowieso mir allein! Ich habe letztes Jahr das unverfilmbarste aller unverfilmbaren Bücher verfilmt: Martin Heideggers SEIN UND ZEIT. Es ist der radikalste aller Filme: er kommt nicht nur vollständig ohne Ton aus, sondern auch ganz ohne Bild.

2 Gedanken zu “Ohne Titel

  1. Vielen Dank für deine Sinnfrage. Wenn man den Film-Macher danach fragen würde, bekäme man sicher, wenn er ein schlechtes Gewissen wegen seines aufgeblähten Egos hat, eine eindrucksvolle Antwort, und würde sich sagen: „Aha, so ist das also zu verstehen“. (Schon als das Buch erschien, hatte ich gehofft, es würde weitgehend unbemerkt aus den Regalen verschwinden.)
    Was man seit den Neunziger Jahren (solange kann ich mich erinnern) den Wissenschaftlern nicht müde wird vorzuwerfen, sollte als interdisziplinärer Anspruch in jeden Entwicklungsprozess einbezogen werden: Nicht alles was machbar ist, muss auch gemacht werden. Aber leider ist oftmals genau das die Herausforderung für große und kleine Egos. Je größer das Ego, desto kleiner der Mensch dahinter.

  2. Eine Dia-Show mit Kommentaren der Urlauberin. Kein Film und keine Verfilmung. Wenn wenigstens die Chance auf einen Stummfilm genutzt worden wäre! Das Buch ist Konzeptprosa und als solche nicht schlecht. Den Versuch zu wagen, es zu verfilmen, ist töricht.

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